DRK-Kreisvorsitzender Georg Kaciala, Helga Schmidtke, Sternenkinderzentrum Odenwald e.V., Friedel Weyrauch, Sprecherin der DRK-Selbsthilfegruppen und Adelheid Schultheiß, DRK-Landesleiterin der Sozialarbeit (v. li.) © Holger Wießmann / DRK
15. März 2017

Trauer braucht Raum und Zeit

DRK-Kreisvorsitzender Georg Kaciala, Helga Schmidtke, Sternenkinderzentrum Odenwald e.V., Friedel Weyrauch, Sprecherin der DRK-Selbsthilfegruppen und Adelheid Schultheiß, DRK-Landesleiterin der Sozialarbeit (v. li.) © Holger Wießmann / DRK
DRK-Kreisvorsitzender Georg Kaciala, Helga Schmidtke, Sternenkinderzentrum Odenwald e.V., Friedel Weyrauch, Sprecherin der DRK-Selbsthilfegruppen und Adelheid Schultheiß, DRK-Landesleiterin der Sozialarbeit (v. li.) © Holger Wießmann / DRK

Gesprächsgruppen DRK und Hospizverein planen Angebote für Kinder und Eltern

Für das Trauern um einen lieben Menschen ist in unserer hektischen Zeit, im steten Funktionieren-Müssen oft kein Raum. Verständnis und Austausch sind auch nicht für jeden Betroffenen möglich. Oft sind sie mit ihrem Schmerz allein gelassen.

Ganz besonders gilt dies für Kinder, die einen solchen Verlust zu bewältigen haben, und für Eltern, denen ein Baby bereits im Mutterleib oder kurz nach der Geburt gestorben ist. Sternenkinder oder still geborene Kinder nennt man diese Babys. Für deren Eltern wie auch für Jungen und Mädchen, die um einen Verwandten, wegen ihrer getrennten/geschiedenen Eltern oder auch „nur“ um den geliebten Hund trauern, soll es nun auch im Odenwaldkreis jeweils eine eigene Trauergruppe geben.

Ins Rollen gebracht werden beide Angebote von DRK Odenwaldkreis gemeinsam mit dem ambulanten Kinderhospizverein Sternenkinderzentrum Odenwald e.V. (Lautertal). Die ehrenamtlich geführten Gruppen werden im September erstmals zusammenkommen. Bei einem ECHO-Gespräch in Erbach stellten Helga Schmidtke (44) vom Verein Sternenkinderzentrum und Friedel Weyrauch, Kreis-, Landes- und Bundessprecherin der DRK-Selbsthilfegruppen, diese Initiativen vor.

»Kinder haben ihre eigene Weise zu trauern, nicht immer aber haben sie den Raum dafür.«

Wie dabei deutlich wurde, greifen beide Frauen auf Erfahrungen aus jenen Jahren zurück, als es unterm Dach des Roten Kreuzes bereits ein solches Angebot gab. Jene Gruppe traf sich im Michelstädter AWO-Mehrgenerationenhaus. „Das war eine gute Sache, die gern angenommen wurde“, erinnert sich Weyrauch. Der Bedarf ist groß, sind sich die beiden sicher. Schmidtke: „Kinder haben ihre eigene Weise zu trauern, nicht immer aber haben sie den Raum dafür. Schwerpunkte innerhalb der Familien verändern sich, die Kinder fühlen Veränderung, sind verunsichert. Oft wird geschwiegen. Doch Trauer macht in uns Druck, und so bleiben die Jungen und Mädchen mit ihren eigenen Gefühlen auf der Strecke.“

Da tut es gut, wenn man in der Gruppe erfährt, dass man nicht der Einzige ist, dem die Mama, der Papa, die Lieblings-Oma oder das Brüderchen einfach so weggestorben ist. Wut-Arbeit („Laut schreien oder feste auf den Box-Sack einprügeln“), kreatives Tun, Rituale, Spaziergänge in die Natur oder auf den Friedhof – auch das kann helfen auf dem individuellen Weg der Trauer und zurück ins eigene Leben. „Dabei geht es darum zu schauen, was das jeweilige Kind selbst braucht“, so Schmidtke, die als gelernte Krankenschwester zum Beispiel auf Intensivstationen und im Hospizdienst gearbeitet hat.

»Heute delegieren wir alles an Spezialisten – das Abschiednehmen fehlt uns später«

Mit den Gefühlen und Sorgen, die Trauernde haben, ist die 44-Jährige aber auch deshalb vertraut, weil sie als Bestatterin von Sternenkindern arbeitet: Über diese „still geborenen“ Babys werde oft kaum gesprochen, die Mütter würden besänftigt mit gut gemeinten, aber wenig hilfreichen Sätzen der Art „Das war ja noch kein Kind“ oder „Ihr seid ja noch jung, probiert es wieder“. Doch viele Frauen fragen sich: Wie kann ich ohne Angst in eine neue Schwangerschaft gehen?

Auch Eltern von Sternenkindern brauchen Zeit und Raum zum Trauern, auch ihnen kann der Austausch mit anderen Betroffenen, das Zulassen von Wut, der Kontakt zur Natur helfen. Schmidtke: „Oft geht es dabei um ganz praktische Dinge. Darum, dass Menschen wieder handlungsfähig werden und nicht etwa – was oft geschieht – in die Betäubung durch Alkohol gehen.“ Früher habe man die Toten über Nacht zuhause gelassen oder dorthin gebracht, um sich verabschieden zu können. „Heute delegieren wir alles an Spezialisten – das Abschiednehmen fehlt uns später“, so Schmidtke.

Kontakt: Friedel Weyrauch, 0162-25 78 112.

Text: Birgit Reuther
Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung von Echo-Online (Erstveröffentlichung)


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